Mehrkampf SM 2026
- 12. Juli
- 7 Min. Lesezeit
27./28.06.26, Teufen, Landhaus, Schweizer Mehrkampfmeisterschaften
Mit Laeticia Yapi (U18), Anna Huber (U23) und Nicolas Bebi (U20) gingen von der LGKE drei Mehrkämpfer*innen an den Start. Saskia Metzenthin (U18), die Ende Mai in Landquart mit 4207 Punkten die SM-Limite erreicht hatte, musste wegen Fussbeschwerden verzichten. Und Isabelle Adel, die letztes Jahr bei den U23 SM Fünfte geworden war, hatte nach der Hallen SM anfangs März wegen Rückenproblemen beschlossen, ihre Siebenkampfkarriere vorläufig nicht fortzusetzen und sich auf die Sprintdisziplinen zu konzentrieren.
Als Erste griff Laeticia Yapi ins Wettkampfgeschehen ein. Sie hatte wegen einer Fussoperation erst anfangs März mit dem Training beginnen können und bestritt in Teufen ihren ersten Siebenkampf. Bereits um 08:30h ertönte das Startkommando für den 100m Hürdenlauf. Laeticia, die in der Vorbereitung zwei Hürdenrennen absolviert hatte und mit einer Bestzeit von 16.10s angereist war, kam nach verhaltenem Start immer besser in Fahrt und lief ohne grösseren Fehler sauber durch: 15.75s, persönliche Bestleistung! Was für ein Start!
Gleich anschliessend ging es zur Hochsprunganlage. Das Einspringen verlief vielversprechend und Laeticia überquerte 1.45m, 1.48m und 1.51m auf Anhieb. Bei 1.54m brauchte sie gute Nerven, drei Versuche und ein bisschen Glück (die Latte zitterte leicht!), bevor sie auf 1.57m wieder im ersten Versuch reüssierte. Dann wurden 1.60m aufgelegt. Noch nie hatte Laeticia diese Höhe überspringen können. Der knapp gerissene erste Versuch gab Selbstvertrauen und im zweiten Anlauf klappte es: 1.60m geschafft, neue Bestleistung, SM Limite erfüllt!
Als dritte Disziplin stand das Speerwerfen auf dem Programm. Anfangs Mai hatte Laeticia über 30m weit geworfen. Doch bei ihrem ersten Versuch landete der 500gr. schwere Speer bereits bei 24m. Der zweite Wurf gelang deutlich besser. Mit 32.57m übertraf Laeticia ihre bisherige Bestweite um fast eineinhalb Meter und freute sich über die dritte persönliche Bestmarke.
Der 200m Lauf bildet den Abschluss des ersten Siebenkampf Tages. Laeticia startete etwas zögerlich, drehte aber ausgangs Kurve mächtig auf und kämpfte auf der Zielgeraden mit raumgreifenden Schritten bis ins Ziel. Bei leichtem Gegenwind (-0.7m/s) lief sie gute 27.64s und verpasste ihre Bestzeit nur gerade um 2/100 Sekunden. Ein gelungener Abschluss eines durchwegs erfolgreichen ersten Tages.
Auch der zweite Wettkampftag der U18 Athletinnen begann bereits um 08:30h. In Anbetracht der zu erwartenden Glutofenhitze war der frühe Zeitpunkt wohl kein Nachteil. Das Einspringen zum Weitsprung verlief nicht ganz problemlos, mal sprang Laeticia hinter dem Balken ab, mal übertrat sie. Dann der erste Wettkampfsprung. Zum Glück gültig, aber weit hinter dem Balken abgesprungen: 4.58m. Im zweiten Versuch lief Laeticia viel entschlossener an, machte Tempo bis zum Balken hin und sprang explosiv ab. Dieser Sprung ging richtig weit, aber leider hob der Kampfrichter die rote Fahne, knapp übertreten! Also galt es, den Anlauf ein wenig nach hinten zu korrigieren und nochmals mit der gleichen Energie anzulaufen. Doch Laeticia lief zu wenig entschlossen an, machte kleine Schritte und sprang erneut weit hinter dem Balken ab. Keine Verbesserung. Schade, eigentlich hätte man Laeticia einen fünf Meter Sprung zugetraut, aber nun blieb sie klar hinter ihrer Bestweite aus dem letzten Jahr zurück (5.06m).
Es blieb jedoch keine Zeit, den verpassten Punkten nachzutrauern. Das Kugelstossen stand bevor und erforderte die volle Konzentration. Nach 10.22m im ersten, steigerte sich Laeticia im zweiten Versuch auf 10.27m. Beim dritten Stoss flog die 3kg schwere Kugel aber nicht über
die 10 Meter Linie hinaus. Somit kam Laeticia auch im Kugelstossen nicht an ihre Bestweite (10.69m) heran.
Und dann folgte die letzte Disziplin. Der 800m Lauf, den fast alle Siebenkämpferinnen fürchten und bei dem man so viel gewinnen, aber auch so viel verlieren kann. Für Laeticia war es das erste Rennen über die zwei Bahnrunden. Nach dem Start reihte sie sich an zweitletzter Stelle des Feldes ein, konnte aber den Anschluss halten und ging mit etwa zehn Metern Rückstand auf die Spitze in die zweite Runde. Als die Beine schwerer wurden, konnte Laeticia das Tempo nicht hoch halten, verlor an Terrain, legte auf der Zielgeraden aber noch einmal zu und lief in 2.52.62s ins Ziel.
Diese Leistungen ergaben ein Total von 4097 Punkten. Damit belegte Laeticia an ihrer ersten Mehrkampf SM bei den U18 den guten 13. Rang von 27 klassierten Athletinnen.
Ende Mai hatte Nicolas Bebi in Landquart seinen ersten U20 Zehnkampf bestritten und 5862 Punkte erzielt. Damit war sein Ziel für diese Meisterschaften gegeben: 6000 Punkte sollten es werden.
Der Start gelang vielversprechend, denn trotz - 1.1m/s Gegenwind lief Nicolas über 100m mit 11.84s seine drittbeste Zeit und war damit nur 5/100 Sekunden langsamer als in Landquart. Sprintmässig schien Nicolas also bereit zu sein. Aber im Weitsprung gelang es ihm nicht , seine Schnelligkeit in Weite umzusetzen. Bei leichtem Gegenwind sprang er bei seinen ersten beiden Versuchen weit hinter dem Balken ab und «verschenkte» bestimmt 40cm. So stand Nicolas vor dem dritten Sprung lediglich mit 5.73m zu Buche. In Landquart hatte er mit 6.58m eine super p.B. aufgestellt. Nun brauchte er mindestens einen halben Meter mehr! Doch auch beim dritten Versuch passte der Anlauf nicht und Nicolas lief durch, ohne abzuspringen. Was für eine Enttäuschung! Auf sein Bestresultat büsste er 85cm ein, das sind 187 Punkte! Nun waren Überlebensstrategien gefragt: 5.73m, immerhin besser als drei ungültige Versuche ... und es blieben ja noch acht Disziplinen zu absolvieren ... das ist eben Zehnkampf, da ist alles möglich.
Dritte Disziplin: Kugelstossen. Im ersten Versuch flog die 6kg Kugel nur gerade auf 9.37m. Der zweite Stoss brachte eine Steigerung auf 9.80m und im dritten erzielte Nicolas mit 10.27m eine neue Bestleistung. Na also, da ging doch noch etwas! Sollte diese Bestweite die Initialzündung für seine Aufholjagd sein? Doch beim Einspringen zum Hochsprung machte Nicolas keinen allzu guten Eindruck. Die flimmernde Hitze am späten Nachmittag schien zu lähmen, er wirkte nicht sehr spritzig und auch nicht allzu motiviert. Wettkampfbeginn auf 1.66m. Im ersten Versuch gepackt. Ebenso 1.69m und 1.72m. Die 1.75m schaffte er im zweiten Anlauf und je länger der Wettkampf dauerte, desto besser wurden seine Sprünge. Nach zwei gerissenen Versuchen auf 1.78m überquerte er die Latte im dritten blitzsauber. Auf 1.81m scheiterte Nicolas nur ganz knapp. Aber dennoch super gekämpft und auf Landquart 2cm bzw. 17 Punkte gut gemacht. Den Knaller des ersten Tages hatte sich der LGKE-ler aber für den 400m Lauf aufgespart. In einem beherzten Rennen lief er sich den Weitsprung Frust von der Seele und stellte mit ausgezeichneten 50.62s nicht nur eine neue Bestzeit auf, sondern war auch über eine Sekunde schneller als in Landquart ... So konnte es weitergehen!
Und tatsächlich, der zweite Tag begann, wie der erste aufgehört hatte. Bei Windstille stürmte Nicolas mit einem sauberen Lauf zu einer persönlichen Bestleistung über 110m Hürden und war in 15.47s, fast eine halbe Sekunde schneller als in Landquart. Auch das Einwerfen mit dem 1.75kg schweren Diskus verlief positiv und im ersten Versuch flog die Scheibe gleich über die 30m Marke hinaus. In der Folge gelang aber keine Steigerung mehr. Die 30.74m waren zwar keine Bestweite, aber immerhin ein bisschen weiter als in Landquart. Wieder einige Punkte aufgeholt. Danach folgte mit dem Stabhochsprung, eine heikle Disziplin. Da er mit der schlechtesten Bestleistung aller Zehnkämpfer zu Buche stand, war Nicolas zu Beginn alleine im Wettkampf und musste eine Höhe nach der anderen angehen. Das schien ihn aber nicht zu stören, denn er überquerte 2.80m, 3.00m, 3.20m und 3,30m sicher im ersten Versuch. Und mit etwas Glück schaffte Nicolas auch noch die neue Bestleistung von 3.40m im dritten Anlauf, richtig stark! Das anschliessende Speerwerfen verlief ähnlich wie der Diskuswurf. Gleich im ersten Versuch warf Nicolas mit 32.79m eine gute Weite, ohne sich danach weiter steigern zu können. Dennoch machte er damit auch in der zweitletzten Disziplin Punkte gut und plötzlich lag eine neue Zehnkampfbestleistung wieder im Bereich des Möglichen. In Landquart hatte Nicolas über 1500m in 4.42.38 eine tolle neue Bestzeit aufgestellt. Würde er nach der zweitägigen Hitzeschlacht diese Zeit noch unterbieten können? Er konnte! In einem klug eingeteilten Rennen lief Nicolas mit 4.36.09s eine super p.B., die schnellste Zeit aller U20 Zehnkämpfer, und erreichte schliesslich ein Total von 5884 Punkten. Diese neue Bestleistung, 22 Punkte mehr als in Landquart, und der gute 7. Schlussrang waren der verdient Lohn für seine vorbildlich kämpferische Einstellung sowie die eindrückliche Aufholjagd nach dem missglückten Weitsprung!
Die beste LGKE Mehrkämpferin, U23 Athletin Anna Huber, reiste mit gemischten Gefühlen nach Teufen. Einerseits freute sie sich darauf, wieder einmal einen Siebenkampf zu bestreiten, andererseits wusste sie, dass sie von ihrer Bestform noch ein gutes Stück entfernt war. Seit ihrer schweren Hirnerschütterung im Herbst 2024 hatte es mehr als ein Jahr gedauert, bis Anna wieder einigermassen beschwerdefrei trainieren konnte und trotz grossem Aufwand hatte sie nie mehr ihr früheres Leistungsvermögen erreicht. Auch kleinere Verletzungen warfen Anna immer wieder zurück und die starke Belastung durch ihr ETH-Studium liess nicht ausreichend Erholung zu.
So war denn die Vorbereitung auf diese SM alles andere als optimal verlaufen und Anna hatte nur wenig Wettkampfpraxis sammeln können. Es ist ihr hoch anzurechnen, dass sie trotzdem nie aufgab, alle Rückschläge wegsteckte und immer versuchte, das Beste zu geben.
Um 14:45h, der wohl grösstmöglichen Hitze des Tages, wurde zum 100m Hürdenlauf der Frauen aufgerufen. Anna erwischte einen guten Start und fand schnell ihren Rhythmus. Aber bereits nach drei, vier Hürden machte sich das fehlende Schnelligkeitstraining bemerkbar und sie musste ihre Gegnerinnen, mit denen sie früher durchaus mithalten konnte, ziehen lassen. Mit 15.01s fiel ihre Zeit denn auch ernüchternd aus. Danach folgte der Hochsprung, eine Disziplin, in der sie in den Trainings stets zu überzeugen vermochte. Leider hatte sich Anna zwei Wochen vor der SM beim Weitsprung eine leichte Fussverletzung zugezogen, die Sprünge zwar nicht verunmöglichten, aber die letzte Konsequenz beim Absprung bestimmt beeinträchtigten. So gesehen, waren die im dritten Versuch übersprungenen 1.62m eine gute Leistung, aber gemessen an Annas Potenzial eben doch auch eine leise Enttäuschung. Seit der Umstellung auf die Drehstosstechnik im Winter 2024 hatte sich Anna im Kugelstossen stark verbessert und ihre Bestleistung auf über 14m gesteigert. Doch in letzter Zeit lief es auf Grund gesundheitlicher Probleme auch im Training eher harzig. Mit ihrem besten Stoss auf 12.91m erzielte Anna zwar kein schlechtes Resultat, verlor aber auf ihre Bestweite über einen Meter. Nach diesen drei bei grosser Hitze absolvierten Disziplinen, fühlte sich Anna körperlich ausgelaugt, ohne Energie und nicht in der Lage, den 200m Lauf zu absolvieren. Also entschied sie folgerichtig, auf ihren Körper zu hören, nichts zu erzwingen und sich für die letzte Disziplin des ersten Tages abzumelden.
Obwohl Anna wusste, dass sie in ihrer Verfassung am zweiten Tag auch nicht zum 800m Lauf antreten würde, wollte sie noch den Weitsprung und das Speerwerfen bestreiten. Mit 5.07m und 27.22m fielen aber auch diese Resultate enttäuschend aus und machten auf brutale Art und Weise deutlich, dass auf diesem Niveau nur mit einer optimalen Vorbereitung und in körperlicher Topform etwas zu gewinnen oder eine Bestleistung zu erreichen ist.
Link zur Mehrkampf-SM: https://www.swiss-athletics.ch/sm-mehrkampf/
Link zur Bildergalerie von athletix.ch: https://www.athletix.ch/photos-2026/sm-mehrkampf-teufen-27-28062026/




















