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Hallen-SM Aktive 2026

  • 5. März
  • 4 Min. Lesezeit

28.02./01.03.2026: St. Gallen, Athletikzentrum

Zum Abschluss der nationalen Leichtathletik Hallensaison 2026 trafen sich die Schweizer SpitzenathletInnen zu den Einkampf Meisterschaften im Athletikzentrum St. Gallen. Von der LG Küsnacht-Erlenbach traten Isabelle Adel (60m und 200m) und Marina Müller (Dreisprung) zu den diesjährigen Titelkämpfen an, jedoch mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen.

 

Nachdem Isabelle die Belastung der Mehrkampf SM nicht ganz unbeschadet überstanden hatte, beschloss sie, sich an den Einkampfmeisterschaften ganz auf die Sprints zu konzentrieren. Um ihren Rücken  und den lädierten Fuss zu schonen, verzichtete sie auf die 60m Hürden, die zudem im Zeitplan ungünstig, nach dem 200m Vorlauf, angesetzt worden waren.

Am Samstag stand aber zuerst der 60m Vorlauf bevor. Mitte Januar hatte Isabelle in St. Gallen ihre 60m Bestzeit von 7.90s aus dem Vorjahr auf 7.81s verbessert und wollte nun den LGKE Clubrekord angreifen. Dieser steht seit dem 25. Februar 2012 bei 7.71s und wird gehalten von Nora Frey, die damals mit dieser Zeit an den U20 Schweizer Meisterschaften die Bronzemedaille gewann. Isabelle war in der dritten Serie auf Bahn vier eingeteilt worden. Nach einem Fehlstart, den nicht sie verursacht hatte, kam Isabelle zwar gut, aber keineswegs optimal, aus den Startblöcken. Danach vermochte sie aber ausgezeichnet zu beschleunigen und zog ihren Lauf sauber durch. Hatte das gereicht? War Isabelle soeben die schnellste 60m Zeit gelaufen, die je eine LGKE-Sprinterin erreicht hatte? Endlich erschien die Zeit für Bahn vier auf der Anzeigetafel : 7.73s! Eine super Zeit, aber 2/100 über Noras Clubrekord, der somit noch ein knappes Jahr Bestand haben dürfte. Wie unglaublich hoch das Niveau im Schweizer Frauensprint zurzeit ist, zeigt die Tatsache, dass Isabelle an den SM des Jahres 2012 mit ihren 7.73s im Final der Frauen den 5. Platz belegt hätte. Am vergangenen Samstag musste man 7.67s laufen um den letzten der 24. Halbfinalplätze zu ergattern ...

Trotzdem war Isabelle zufrieden mit ihrer Vorstellung und nahm sich für den Sonntag vor, auch über 200m eine neue Bestleistung abzuliefern. In diesem Winter hatte Isabelle erst einen 200m Lauf absolviert. Mit ihrer Ende Januar in Magglingen gelaufenen Zeit von 25.26s, hätte sie ihre Indoorbestzeit aus dem Vorjahr um 6/100 Sekunden verbessert. Leider nur «hätte», weil Isabelle ausgangs der Zielkurve ganz leicht auf die Bahnmarkierung getreten war und disqualifiziert wurde. Dieses Missgeschick sollte ihr an der SM nicht nochmals passieren. Als während des Einlaufens die Serien- und Bahneinteilungen der 200m Läuferinnen bekannt gegeben wurden, erfuhren Isabelles Bestzeitpläne aber einen Dämpfer, war sie doch in der siebten Serie auf Bahn eins eingeteilt worden. Auf den 200m langen Hallenbahnen mit den engen Steilwandkurven ist die Bahn eins ein unbestrittener Nachteil, weil nach dem Start weniger gut beschleunigt und in der Zielkurve das Tempo nicht voll durchgezogen werden kann. Deshalb werden an internationalen Hallenmeisterschaften (EM, WM) schon seit vielen Jahren keine 200m Läufe mehr durchgeführt. Für Isabelle galt es, trotz der ungünstigen Innenbahn das Beste zu geben und möglichst nahe an ihre Bestzeit von Magglingen heranzulaufen, die keine Aufnahme in die Bestenlisten gefunden hatte. Dass sie in Topform war und schnell laufen konnte, hatte ja die 60m p.B. vom Samstag gezeigt. Isabelle schoss aus dem Startblock in die ersten Kurve und versuchte auf der Geraden den Abstand zu ihren drei starken Gegnerinnen, die sich alle für die Halbfinals qualifizieren sollten, zu halten. Mit Vollgas ging sie in die zweite Kurve, konnte das Tempo aber auf Grund des engen Kurvenradius nicht ganz halten und versuchte, aus der Kurve heraus bis ins Ziel noch einmal zu beschleunigen. Gut «gefightet» Isabelle! Die Zeit von 25.51s entsprach natürlich nicht ganz den Erwartungen, aber unter den gegebenen Umständen, war das eine tolle Leistung.

 


Die Saison 2025, das vierte Jahr als Dreispringerin, war für die ehemalige LGKE Siebenkämpferin, Marina Müller, enttäuschend verlaufen. Obwohl sie auch in den drei Jahren zuvor immer wieder durch Verletzungen (Wade, Achillessehne) zurückgeworfen worden war, hatte sie sich konstant steigern, ihre p.B. von 11.55m auf 12.07m verbessern und an zwei Schweizer Hallenmeisterschaften eine Medaille (Bronze 2023 und Gold 2024) gewinnen können. Aber im letzten Jahr verhinderten die immer wieder auftretenden Beschwerden einen weiteren Fortschritt und Marina machte sich bereits Gedanken, ihre Dreisprungschuhe an den Nagel zu hängen. Doch die im Herbst 2025 ergriffenen Massnahmen und Therapien zeigten endlich Wirkung und machten Mut. Marina war absolut schmerzfrei, konnte von Ende Oktober bis Mitte Januar ohne jegliche Einschränkung ein optimales Wintertraining absolvieren und fühlte sich so fit wie kaum je zuvor. Vielleicht war die Euphorie fast zu gross. Vielleicht hätte mit der Aufnahme des Techniktrainings im Hinblick auf die Hallensaison das restliche Trainingspensum stärker reduziert werden sollen. Vielleicht ... im Nachhinein ist man immer schlauer. Tatsache ist, dass sich die Schmerzen im linken Unterschenkel Mitte Januar wieder meldeten. Marina konnte zwar trainieren, aber die wettkampfnahen, hohen Sprint- und Sprungbelastungen verursachten Schmerzen. So waren alternative Trainingsmethoden gefragt und die Wettkämpfe vor den Schweizer Meisterschaften mussten ausfallen. Die Angst, sich schwerer zu verletzen, war zu gross. Auf die Hallen SM in St. Gallen, dem Ort ihrer grössten Erfolge als Dreispringerin, wollte sie aber nicht verzichten. Trotz minimalem Techniktraining und in Bezug auf Schnelligkeit und Schnellkraft bestimmt nicht in Bestform ging Marina in St. Gallen an den Start.

 

Sonntagmorgen, 11:10, Wettkampfbeginn Dreisprung Frauen. Das Einspringen, die Anlaufkontrollen und die ersten Sprünge aus längerem Anlauf, hatten gar nicht schlecht ausgesehen, aber man merkte schon, dass Marina im Kopf nicht ganz frei war. Sie musste sich an die maximal mögliche Belastung herantasten, aber es blieb nicht viel Zeit ...

Der Anlauf zu ihrem ersten Sprung sah gut aus, Absprung hinter dem Balken, «Hop» gute Länge, «Step» etwas passiv, Tempo verloren, «Jump» gut reagiert, aber bei der Landung viel verschenkt. Weite: 11.12m. Der zweite Sprung wurde ungültig gegeben und schon stand Marina mit dem Rücken zur Wand. Um ins Finale der besten acht Springerinnen zu kommen, hätte sie im dritten Versuch eine Weite von 11.72m gebraucht. Unter normalen Umständen eigentlich kein Problem, aber heute? Marina lief entschlossen an, traf den Balken sehr gut, Hop - Step - Jump ... aber leider keine Verbesserung. Der Versuch war technisch eigentlich gar nicht schlecht, aber wenn man nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist und bei jedem Sprung 30cm einbüsst, geht am Schluss halt fast ein Meter verloren. Natürlich war Marina im ersten Moment enttäuscht, aber doch auch froh, dass sie es wenigstens versucht und sich nicht schlimmer verletzt hatte. Im Hinblick auf den Sommer gilt es nun, die Lehren aus dieser Erfahrung zu ziehen. Denn davon sind Marina und ihre Trainer überzeugt, wenn sie einmal eine Saison ohne Verletzung durchziehen kann, ist noch vieles möglich.


 
 
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